Eigentlich stand diese Woche im September
1998 ganz im Zeichen von Hochzeitsvorbereitungen. Weil
man zukünftiger Mann Jan, einen angeborenen Herzfehler
hat, schickte mich mein Gynäkologe ab der 22. Schwangerschafts-
woche regelmäßig in das Uniklinikum
Göttingen zum Organschall. Bald wussten
wir, es würde ein Junge werden. Er hat alles dran
und alles drin, nur sein Herz das zeigte er uns nicht...
Bis zu diesem Montag.
Ich war in der 31. Schwangerschaftswoche,
fühlte mich glücklich und freute mich auf
unsere Hochzeit. Doch irgendwann, nach dem die Ärztin
schallte und schallte und gar nicht mehr aufhörte,
beschlich mich auf dieser Bank liegend ein mulmiges
Gefühl. Irgendetwas stimmte nicht.
Ich fragte nach, aber sie versicherte mir, das alles
in Ordnung sei und sie wolle nur ganz sicher sein.
Das wurde mir immer noch erzählt, als der nächste
Arzt dazu kam und auch noch mal sicherheitshalber schallte.
Als der dritte Arzt in Folge meinen Bauch schallte,
wusste ich sicher, das irgendetwas überhaupt nicht
stimmt.
Was ich allerdings nie in meinem Leben
vergessen werde ist der Satz des Arztes der ungefähr
lautete: „Gut das Ihr Kind so große
Gefäße hat, wenn er die nicht hätte,
würde ich Ihnen zu einem Abbruch raten !“
Das war vielleicht gar nicht so gemeint wie
ich es gehört habe, aber ich war erschüttert
und das war das Entscheidende.
Es brach das diagnostische Procedere über
uns herein, ich musste zur Fruchtwasseruntersuchung.
Das war am Mittwoch.
Freitag morgen rief ich in der Frauenklinik
an, um mir meinen Befund abzuholen. Es kam der nächste Schock, es
wurde ein genetischer Defekt festgestellt und wir sollten
uns doch bitte mit dem Humangenetischen Institut zwecks
Terminvereinbarung in Verbindung setzen, denn mehr telefonische
Auskunft wird grundsätzlich nicht erteilt.
Unsere Nerven lagen inzwischen ziemlich blank: ein Kind
mit einem angeborenen Herzfehler ist das eine, aber
ein Kind mit einer Behinderung...?